Differenzerfahrung beim Spielen digitaler Spiele

Innerhalb einer Spielsituation können auf verschiedenen Ebenen des Spieles Brüche und Irritationen erfahren werden, zum Beispiel an der Schnittstelle zum Computer (Steuerung), in der Auswahl der In-Game-Interaktionsmöglichkeiten, in der Konstruktion der graphischen Oberfläche oder inhaltlich über die Folgen von Handlungen im Spiel. Dabei sind vielfältige Formen der Verarbeitung entsprechender Irritationen denkbar, beispielsweise positiv oder negativ konnotierte Reflektion reduzierter Interaktions- oder Kommunikationsformen, Fremdheitserfahrungen angesichts distanzierter Erlebnisformen bis hin zu Neuinterpretation von im Spiel suggerierten Interaktionsmöglichkeiten. Außerhalb der Spielsituation können in der nachgehenden Erinnerung und Reflexion wahrgenommener Irritationen und Differenzerfahrungen im Selbst- und Fremderleben Anlässe für weitergehende Bildungsprozesse schaffen. Die Integration differenzauslösender Erfahrungen kann unterschiedliche Formen annehmen.

Nach diesem Erleben und Verarbeiten wird aus einer erziehungswissenschaftlichen bzw. bildungstheoretischen Perspektive gefragt. Ziel der Studie ist eine Rekonstruktion der subjektiven Perspektiven auf das Differenzerleben in der Spielsituation und dessen Reflexion darüber hinaus. Zentrale Fragen hierbei sind:

  1. Erleben Spieler/innen sich selbst und ihre Eingebundenheit sowie Handlungsmöglichkeiten in der (virtuellen) Welt anders, wenn sie komplexe digitale Spiele spielen, und
  2. wie erleben, verarbeiten oder reflektieren sie selbst diese Differenzerfahrungen?

Datenerhebung und Datenauswertung werden im Sinne der Grounded Theory zirkulär gestaltet. Durchgeführt wird eine Kombination von thematisch fokussierten Einzelinterviews und videographierten Spielsequenzen in denen der/die Spieler/in sich unmittelbar in der erlebten Spielsituation zu erfahrenen Irritationen äußern kann. Letztere bilden auch den Einstieg in das Interview. Die Rekonstruktion subjektiver Perspektiven auf das Differenzerleben wird auf der Basis hermeneutischer und kodierender Verfahren erstellt.

Projektzeitraum: Okt. 2008-April 2010, eigenfinanziert.

Leitung: Prof. Dr. Petra Grell
Department Erziehungswissenschaft, Universität Potsdam
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